Zum 30. Juni 2026 endet die UKW-Verbreitung der nichtkommerziellen Lokalradios in Hessen. Davon ist auch Radio Darmstadt betroffen, die 103,4 MHz wird abgeschaltet. Für viele ungewohnt, schließlich war genau diese Frequenz über Jahre hinweg fest mit unserem Programm verbunden.
Wichtig ist uns deshalb gleich zu Beginn: Radio Darmstadt bleibt weiterhin über DAB+ und im Webstream empfangbar. Wir verschwinden nicht – es verändert sich nur der Weg, wie ihr uns hört.
Die Entscheidung wurde nicht von uns getroffen, sondern von der Medienanstalt Hessen – und sie hat vor allem finanzielle Gründe. Die Medienanstalt unterstützt uns nicht nur bei den Kosten für unseren Sender, sondern finanziert vollständig die Verbreitungskosten der sieben nichtkommerziellen Lokalradios in Hessen.
Bisher wurden dabei zwei Verbreitungswege gefördert: UKW und DAB+.
Aufgrund der angespannten Haushaltslage musste jedoch entschieden werden, diese Doppelstruktur aufzugeben und sich auf einen Verbreitungsweg zu konzentrieren. Diese Doppelfinanzierung wurde auch im Prüfbericht des Rechnungshofs zur Finanzierung der NKLs kritisch bewertet.
Die Wahl fiel auf DAB+, da dieser Standard heute deutlich effizienter arbeitet und eine wesentlich größere Reichweite ermöglicht.
Während UKW technisch stark begrenzt ist und unser Signal im Wesentlichen auf das Stadtgebiet Darmstadt beschränkt blieb, reicht DAB+ weit über die Region hinaus. Die Entscheidung ist daher weniger ein Abschied vom Radio selbst, sondern vielmehr eine Anpassung an technische und wirtschaftliche Entwicklungen.
Mit der Abschaltung der 103,4 MHz entfällt der klassische UKW-Empfang. Wer Radio Darmstadt bisher über ein analoges Radio gehört hat, wird uns auf diesem Weg ab Juli nicht mehr empfangen können.
Trotzdem bleiben wir als Radiosender selbstverständlich erhalten. Inhaltlich ändert sich nichts. Wir sind weiterhin über DAB+ empfangbar. Viele moderne Radios – auch Autoradios – unterstützen diesen Standard bereits. Der Empfang ist stabil, die Klangqualität konstant und die Reichweite deutlich größer als früher.
Zusätzlich könnt ihr uns jederzeit über den Webstream hören. Egal ob am Smartphone, Laptop oder Tablet – mit wenigen Klicks seid ihr live dabei. Ergänzt wird das Angebot durch unsere Mediathek und unsere Podcasts, mit denen ihr Sendungen unabhängig von festen Sendezeiten hören könnt.
Tatsächlich ja – und zwar eher zum Positiven. Über UKW war Radio Darmstadt technisch auf Darmstadt und die direkte Umgebung begrenzt. Nicht einmal in allen Stadtteilen war ein stabiler Empfang möglich.
Mit DAB+ und unseren Online-Angeboten wird diese Begrenzung aufgehoben. Unser Programm ist künftig über große Teile Südhessens hinaus empfangbar und im Internet sogar weltweit verfügbar. Für viele bedeutet das: bessere Verfügbarkeit statt Einschränkung.
Trotz aller technischen Argumente bleibt die 103,4 MHz ein emotionales Thema. Diese Frequenz ist seit der Gründung von RadaR eng mit Radio Darmstadt verbunden. Für viele Hörerinnen und Hörer war sie der erste Kontakt mit unserem Programm – und für viele von uns im Team ein fester Bestandteil der eigenen Radiogeschichte. Selbst unser Logo enthielt die 103,4 MHz.
Dass dieser Teil nun wegfällt, ist deshalb mehr als nur eine technische Umstellung. Es ist ein Stück Identität, das sich verändert – und das darf man auch so benennen. Wir sehen diese Entscheidung daher auch mit einem weinenden Auge.
Auch wenn UKW lange der Standard war, entwickelt sich Radio stetig weiter. Digitale Verbreitungswege wie DAB+ und Streaming gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglichen nicht nur eine bessere technische Qualität, sondern auch neue Formen der Nutzung.
Radio wird dadurch unabhängiger von festen Zeiten und Orten. Inhalte können flexibler abgerufen werden, Reichweiten steigen, und auch kleinere Sender wie wir bekommen die Chance, über ihre ursprüngliche Region hinaus gehört zu werden.
Für uns bedeutet das: Wir verlieren einen alten Weg, gewinnen aber neue Möglichkeiten.
Die Abschaltung der UKW-Verbreitung ist Teil einer größeren Entwicklung im Rundfunk. Gleichzeitig bleibt die Grundstruktur der nichtkommerziellen Lokalradios in Hessen erhalten – und das ist alles andere als selbstverständlich. In vielen Bundesländern existieren vergleichbare Modelle gar nicht.
Dass diese Form von Bürgermedien weiterhin unterstützt wird, zeigt, dass es nach wie vor ein klares Bekenntnis zu dieser Radiolandschaft gibt. Die Entscheidung, sich auf einen Verbreitungsweg zu konzentrieren, ist daher vor allem eine Frage der Priorisierung – nicht des Rückzugs.
Dennoch muss an dieser Stelle auch das allgemeine Finanzierungsproblem der Medienanstalten betrachtet werden. Seit Jahren werden ihnen zusätzliche Aufgaben übertragen, die für den Schutz der Medienvielfalt und der Meinungsfreiheit von zentraler Bedeutung sind. Die Medienanstalten sind für die Regulierung des privaten Rundfunks in Deutschland zuständig – organisiert auf Ebene der Bundesländer.
Mit der Reform des Medienstaatsvertrags im Jahr 2020 wurden ihre Aufgaben deutlich erweitert. Gleichzeitig stehen ihnen jedoch nicht im gleichen Maße zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung. Vielmehr geraten bestehende Finanzierungsquellen zunehmend unter Druck. (Die Kollegen von DWDL.de haben darüber bereits 2024 berichtet).
Finanziert werden die Medienanstalten unter anderem aus dem Rundfunkbeitrag. Etwa 1,9 % der Einnahmen fließen an die Landesmedienanstalten. Anders als beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk erfolgt jedoch keine regelmäßige Bedarfsprüfung durch die KEF. Dadurch kann es zu strukturellen Unter- oder Überfinanzierungen kommen.
Mehrere Bundesländer – darunter auch Hessen – haben deshalb einen sogenannten Vorabzug eingeführt. Das bedeutet, dass ein Teil dieser Mittel wieder abgeführt werden muss. In Hessen betrifft dies rund 40 % der Zuweisungen an die Medienanstalt. (Finanzierung der Medienanstalt Hessen).
Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Die Entscheidung zur Abschaltung der UKW-Verbreitung ist nicht isoliert zu betrachten, sondern Ausdruck eines größeren strukturellen Problems. Sie ist das Ergebnis finanzieller Rahmenbedingungen und politischer Prioritätensetzungen – nicht einer inhaltlichen Abwertung der nichtkommerziellen Lokalradios.
Gleichzeitig gilt: Die Förderung der nichtkommerziellen Lokalradios ist in Hessen gesetzlich verankert und damit grundsätzlich abgesichert.
Dennoch zeigt die aktuelle Entwicklung, dass die finanziellen Spielräume der Medienanstalten insgesamt unter Druck stehen. Die konkrete Ausgestaltung der Förderung – etwa bei Infrastrukturentscheidungen oder Verbreitungswegen – hängt maßgeblich von den verfügbaren Haushaltsmitteln ab.
Deshalb braucht es an dieser Stelle eine offene und ehrliche Diskussion über die Finanzierung der Medienanstalten. Nur wenn die Rahmenbedingungen langfristig stabil und auskömmlich gestaltet sind, können sie ihre vielfältigen Aufgaben dauerhaft erfüllen – und auch die bestehenden Strukturen verlässlich weiterentwickeln.